Kraeuter Herrmann

„Unser Tag beginnt mit Schnittlauch“

Im Betrieb der Familie Herrmann in Neuss gedeihen 25 verschiedene Kräuter. Darunter sind Klassiker, aber auch Exoten.

Das moderne Gebäude mit großen Fenstern und weitläufigen, hellen Hallen des Gartenbaubetriebes Herrmann in Neuss-Grimlinghausen zeigt schon auf den ersten Blick, dass diesem Familienbetrieb der Spagat zwischen Tradition und Zukunft gelingt. Möglich ist das durch viel persönlichen Einsatz und Begeisterung.

„Meine Schwiegereltern hatten Stiefmütterchen, Petersilie, Schnittlauch und Dill“, berichtet Marion Herrmann, die seit 28 Jahren mit ihrem Mann Willi hier arbeitet. Im Laufe der Zeit rückten Stiefmütterchen aus dem Fokus, während das Angebot an frischem, würzigem Grün ausgebaut wurde. Inzwischen umfasst das Sortiment rund 25 Kräuter. Auch exotische Sorten wie Thai-Basilikum, Schnittknoblauch, Zitronengras und essbare Blüten sind dabei, zählen die Brüder Guido und Thomas auf, die in vierter Generation im Betrieb tätig sind.

Für Guido war es nie eine Frage, ob er bei seinen Eltern einsteigen würde. „Ich bin Guido, der Bauer“, soll er sich seinerzeit im Kindergarten vorgestellt haben, schmunzelt die Mutter. „Ich habe schon als Kind eigene Kürbisse und Kohl gezogen und an der Haustür verkauft“, erinnert sich heute der Gemüsebaumeister. Verständnis hatten andere Jungs, die lieber Fußball spielten, nicht immer. Aber das war ihm egal, erzählt er lachend: „Dafür hatte ich mein eigenes Geld und konnte mir die größere gemischte Tüte kaufen!“ Auch Thomas entschied sich, in den Betrieb einzusteigen, nachdem er sein Studium im Bereich International Business abgeschlossen hatte. „Viele Menschen greifen beim Kochen immer wieder zu den gleichen drei, vier Kräutern. Wir möchten ihnen zeigen, wie viele Kräuter es gibt, und welche zu welchen Gerichten passen“, sagt er.

Persönliche Gespräche

Auf engen Austausch und Zusammenhalt legen die Herrmanns Wert. Morgens um acht trifft sich die Familie in der Teeküche zum Frühstück, bei dem eines nicht fehlen darf: „Unser Tag fängt mit Schnittlauch an“, verrät Marion Herrmann. Mittags kommt die Familie noch einmal zum Essen zusammen. Auch zu vielen der rund 100 Mitarbeiter haben sie einen sehr guten, persönlichen Kontakt. Nicht wenige von ihnen arbeiten hier schon seit Jahren und haben die Junior-Chefs aufwachsen gesehen. „Wir kennen ihre Sorgen und Geschichten, genau wie die unserer langjährigen Kunden – und dieses ganze Geschehen lieben wir einfach!“, bekennt Marion Herrmann.

Jetzt, im März und April, herrscht auf dem Gelände reger Betrieb, denn die Freilandsaison geht los. Während in den Wintermonaten einige Sorten auch aus wärmeren Ländern zugekauft wurden, kommen die Kräuter den Sommer über ganz aus heimischem Anbau. Die Arbeit auf den Feldern beginnt oft schon um vier Uhr, damit die Kräuter erntefrisch in den Handel gelangen. Die großen Hallen duften nach Dill, Zitronenmelisse, Minze und anderen feinen Aromen, wenn die köstlichen Blätter und Zweige noch vor Ort werden gewaschen, gewogen und verpackt werden. Damit nichts von ihrem guten Geschmack verloren geht, geht es von dort gleich weiter in den Handel – zum Beispiel zur REWE Dortmund.

Frisch und heimisch zu jeder Jahreszeit

Schnittlauch wird bei den Herrmanns auch im tiefsten Winter frisch produziert. Das gelingt so: Von April bis Dezember stehen Schnittlauchpflanzen im Feld, die bewusst nicht geschnitten werden, damit all ihre Energie – wie bei einer Tulpenzwiebel – zurück in die Wurzel wandert. Im Dezember werden die Wurzelballen aus der Erde geholt und gekühlt eingelagert. Nach Bedarf werden die Kisten aus dem Kühlhaus geholt, einige Zeit in warmes Wasser getaucht und dann im Gewächshaus wieder in die Erde gesetzt. Die Pflanzen „denken“ nun, es sei Sommer – und treiben wieder ihre frischen, aromatischen Halme aus!

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